Biber Fotografie aus dem Floating Hide

Dieses Jahr habe ich einer meiner liebsten Spezies einiges an Zeit widmen könnten – dem Biber. Um mich dem nachtaktiven Nager, dessen ausbreitung in der Region Hannover erfreulicherweise deutlich zugenommen hat, unbemerkt annähen zu können und um an Bilder auf Augenhöhe zu kommen habe ich ein Floating Hide angeschafft.

Es handelt sich um das MrJanGear Floating Hide II das direkt im Hersteller eigenem Shop erworben werden kann.

Für meine ersten Gehversuche zum Fotografieren aus dem Floating Hide habe ich mir eine Biberfamilie ausgesucht die in einem Teich lebt, der über kleine Bäche mit der Ihme und somit auch der Leine verbunden ist, über die die Ausbreitung der Biber in der Region erfolgt.

Einer der Biber der Familie an seinem Bau

Der Aufbau des Floating Hides gestaltet sich sehr einfach. Es werden zwei aufblasbare Schwimmkörper miteinander verbunden zwischen denen die Kamera auf einem Stativkopfmontiert.

Verbundene Schwimmkörper des Floating Hides mit montiertem Gimbal

Anschließend wird der Tarnüberzug auf Zeltstangen aufgezogen und an den Schwimkörpern fixiert und schon kann das Floating Hide zu Wasser gelassen werden. Nachdem ich meinen Trockenanzug angezogen habe und die Kamera montiert hatte konnte es los gehen.

Ich mit dem Floating Hide vor dem ersten Einsatz

Der Blick aus dem Floatinghide

Bereits beim ersten Einsatz konnte ich einige Erfolge vorweisen:

Die erste Aufnahme eines Bibers aus dem Floatinghide
Schwimmender Biber

Zunächst konnte ich nur einige aufnahmen aus der Distanz machen, doch dann entdeckte ich einen Biber beim Fressen am Ufer und konnte langsam und vorsichtig an ihn heranpaddeln. Es handelte sich um die Mutter wie an den Gesäugen wunderbar zu erkennen ist.

Die Bibermutter beim fressen zwischen den Zweigen eines Haselnussstrauches

Nachdem sie ihre Mahlzeit abgeschlossen hatte und wieder ins Wasser gelitten war, kam sie direkt auf mich zu geschwommen und ich konnte eine wunderbares Portrait von ihr aufnehmen.

Nahaufnahme eines Bibers

Nachdem ich beim ersten Versuch so viel Erfolg hatte war ich natürlich angefixt und habe den Bibern weitere Besuche abgestattet.

An einigen Tagen hielt sich die ganze Familie bestehend aus den Elterntieren und den beiden Jungen vor der Kamera auf. Auf dir folgenden Aufnahme fehlt eines der Jungtiere

Bei einem der Besuche hat mein Freund Mark ein paar Behind the scenes Videos aufgezeichnet.

Während des Videos ist dieses Foto entstanden:

Biberportrait

Auch die Jungtiere konnte ich Fotografieren:

Der Hasel direkt am Ufer war einer der Beliebtesten Fressplätze an dem ich die Biber wiederholt fotografieren konnte.

Inzwischen finden die Aktivitäten der Biberfamile wieder im dunklen statt – zum glück verfüge ich ja über Kamerafallen mit denen ich schon in der Vergangenheit einige Biberfotos aufnehmen konnte.

Biber im Blitzlicht einer meiner Kamerafallen. Nikon D3200 mit Sigma 17-70 in einem selbstgebauten Wasserdichten Gehäuse, 17mm, f7.1, 1/80s, ISO 400; Zwei Externe Blitze, Camtraptions PIR Sensor

Biberauswilderung

Im Mai diesen Jahres hatte ich das vergnügen Holger Machulla, einen der Biberberater der Region Hannover, bei der Auswilderung eines Verletzten Bibers begleiten zu dürfen. Holger Machulla setzt sich gemeinsam mit dem ASV Neustadt am Rübenberge, dessen erster Vorsitzende er ist, für den Erhalt der Natur im Leineland ein und führen insbesondere Maßnahmen zum Schutz von Bibern und ihrem Lebensraum durch.

Der Biber wurde tagsüber im süden Hannovers apathisch auf einem Weg in der nähe eines Sees sitzend von Spaziergängern gefunden welche die Tierretung benachrichtigten. Diese fingen den Biber ohne, das dieser versuchte zu flüchten ein und brachten ihn in die Tierärztliche Hochschule Hannover. Dort wurde das Tier untersucht und geröntgt. So wurde festgestellt, dass es keinerlei Verletzungen aufwies.

Es handelte sich mit einem Alter von etwa zwei Jahren und einem Gewicht von 15kg um ein Jungtier. In diesem Alter müssen Biber das Revier der Eltern verlassen und ziehen die Ströme hinauf um sich ein eigenes Territorium zu suchen.

Es wäre möglich, dass der erschöpfte Jungbiber auf seiner Wanderung auf einen Kontrahenten gestoßen ist und in einen Revierkampf verwickelt wurde. Dies hätte allerdings auch deutlich schlimmere Verletzungen nach sich ziehen können, da kämpfe zwischen Bibern aufgrund ihrer extrem scharfen Zähne unter Umständen sogar tödliche enden können.

Nach dem wir an der Leine im Nordosten Neustadts am Rübenberge angekommen sind, habe ich wir ihr sehen könnt erst einmal die zeit genutzt einige Bilder des Bibers machen zu können. Nach dem der Biber sich an unsere Stimmen gewöhnt hatte und ganz entspannt in seinem Transportkäfig saß, haben sogar die Tür öffnen können ohne dass es zu Anzeichen von stress gekommen wäre. Es war eine große Freude und es hat mich unglaublich berührt einem Wildtier so nah seien zu können, es hat sich ein tiefes Gefühl von Ruhe, Frieden und Verbundenheit mit der Natur bei mir eingestellt.

Als der Biber auf dem weg zum Fluss das Wasser wittern konnte war es mit der Ruhe allerdings vorbei und er begann sich gegen die Tür des Käfigs zu werfen.

Nach dem wir einen flachen teil der Böschung gefunden hatten öffneten wir den Käfig und der Biber machte sich sogleich auf in Richtung Ufer.

Als der Biber das Wasser ausgemacht hatte begann er einen Sprint den ihr im folgenden Handyvideo sehen könnt

Sein aufenthalt im Wasser war jedoch nur von kurzer Dauer und er steuert direkt wieder das Ufer an und so beschlossen wir ihm zu folgen.

Als wir ihn entdeckten war er grade dabei sich ausgiebig zu putzen.

Nach einer weile nahm stellte der das Putzen ein machte sich erneut auf Richtung Wasser, nur um nach dem er einmal untertauchte direkt wieder anzulanden..

… nach dem der Biber sich eine Weile geputzt hatte zog es ihn erneut ins Wasser..

… Nur um unter einem großen überhängenden Baum erneut an Land zu gehen. Dort angekommen begann er erneut sich zu putzen, zu buddeln, und an wurzeln und trieben zu knabbern.

Dies gab mir nicht nur die Möglichkeit Fotos zu machen sondern auch einige Videoklips die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte.

Der Biber ließ uns so nahe an sich heran, das wir sogar mit dem Smartphone Nahaufnahmen machen konnten. Ein schönes Erlebnis doch für die Zukunft wäre es sicherlich nicht schlecht für ihn wieder etwas mehr scheu vor dem Menschen zu entwickeln, ich wünsche ihm alles gute auf seiner Reise.

Vielen dank an Holger Machulla für die Kooperation und die zahlreichen Informationen zum Biberschutz in der Region Hannover.

An den Ort der Auswilderung werde ich bei Zeiten sicherlich zurückkehren – zum einen um zu schauen ob der Biber dort Heimisch geworden ist, zum anderen, da dort wie in dem Video zu hören ist ein Eisvogelpärchen lebt und am Steilufer gegenüber, seine Bruthöhle hat – wie ihr auf dem nächsten Foto sehen könnt.

Zur Person:

Holger Machulla ist einer der ehrenamtlichen Biberberater der Region Hannover und der erste Vorsitzende des ASV Neustadt am Rübenberge. In dieser Position setzt er sich besonders für den Biberschutz ein, der eine Leidenschaft für ihn geworden ist. Die Projekte zum Biberschutz soll in Zukunft noch ausgeweitet werden, so soll z.B. geprüft werden ob das alte Schwimmbad in Neustadt am Rübenberge umgenutzt und und in eine Biberauffangstation verwandelt werden kann. Des weiteren ist eine Ausstellung zum Thema Biberschutz im Stadtmuseum Villa Böhm in Neustadt in Planung.